
Jesuitenkirche Innsbruck
Universitätskirche/Dreifaltigkeitskirche
Innsbruck, Tirol, Österreich
1619-1622/1627-1640 (frühbarocke Bau- und Ausstattungsphasen)
Architektur, 1. Bauphase: Matthias Kager (1575-1634, Planung); Hans Alberthal(er) (um 1575 – 1675, Maurermeister)Architektur, 2. Bauphase: Santino Solari (1576-1646) Karl Fontaner, Hans Schor (1585-1674) und Christoph Gumpp d. J. (1600-1672, Planung); Adrian Pfefferle (Maurermeister)Stuck: Georg Braun
Sakralbau (Klosterkirche)
Jesuitenkolleg Innsbruck
Das Innsbrucker Jesuitenkolleg wurde 1561 gegründet. Als Kirche diente zunächst eine gotische Kapelle. Ein Neubau erfolgte 1619-22 nach Planung von Matthias Karger durch den Dillinger Maurermeister Johann Alberthaler, doch stürzte dieser 1626 wieder ein. Für den 1627-40 ausgeführten Neubau wurde der Baumeister des Salzburger Domes, Santino Solari, beratend hinzugezogen, die Bauleitung hatte bis 1635 der Jesuitenpater Karl Fontaner. Auch war Christoph Gumpp an der Planung beteiligt (u. a. die Fassade). Der Bau konnte 1646 geweiht werden. Fertigstellung der Fassade 1900/01. Nach schwerem Bombenschaden 1946-53 wiederhergestellt.
Die Innsbrucker Jesuitenkirche wurde in Anlehnung an den Salzburger Dom errichtet, zu dem sie gewisse Verwandtschaft zeigt. Das zweijochige Langhaus ist ein von Doppelpilastern gegliederter Abseitensaal mit Emporen. Im Zentrum des Baus steht die von einer mächtigen achteckigen Tambourkuppel überwölbte Vierung mit Kreuzarmen in der Tiefe der Langhaus-Abseiten. Der Chor schließt mit einer halbrunden Apsis. Manche ungelenke Züge der Formenverwendung lassen darauf schließen, dass wesentliche Teile der Planung von den Jesuitenpater Fontaner stammen könnten.
View Short DescriptionDie Innsbrucker Dreifaltigkeitskirche, einer der wenigen großen Kirchenbauten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges im deutschsprachigen Raum, veranschaulicht die hohe Bedeutung, die der von Kaiser Ferdinand I. nach Tirol berufene Jesuitenorden in Staat und Gesellschaft erlangt hatte. Der monumentale Bau mit Doppelturmfassade und Vierungskuppel entstand unter dem Patronat von Erzherzog Leopold V. und seiner Gemahlin Claudia de’ Medici als geistlicher Mittelpunkt des Kollegs im Zentrum der Konventsbauten.
Archivalien
Äußere Nordseite
1627-1640 und 1900-1901
Christoph Gumpp
Die Fassade, deren Türme, Giebel und Wappen erst um 1900 fertiggestellt bzw. ergänzt worden sind, zeigt den Einfluss des Salzburger Doms wohl am deutlichsten. Das Äußere ist in der typischen strengen Gliederung des süddeutschen Frühbarock gehalten. Türme und Fassadenmitte bilden eine Einheit. Die zwei Portalbögen, die von Doppelpilastern getrennt werden (vgl. München, St. Michael), nehmen außen bereits den Aufbau der Langhauswände vorweg.
Inneres nach Süden
1627-1640 und 1757
Antonio Balestra (Altarblatt)
Im Zentrum des Baus steht die Vierung, über der sich eine achteckige Kuppel erhebt. Eine Besonderheit sind die überleitendenden Pendentifs, die hier nicht konkav gewölbt, sondern gefüllt sind. Der Tambour ist von großen Fenstern durchlichtet, darüber ein achtteiliges Klostergewölbe. Der Chor, der durch seine Apsis deutlich tiefer ist als die beiden Kreuzarme, nimmt seit 2004 die getreue Rekonstruktion des 1943 zerstörten Hochaltars aus dem Jahre 1757 auf. Das ursprüngliche Altarbild ist durch ein Werk Antonio Balestras aus St. Jakob ersetzt worden. Der Langchor wird von zwei Emporen flankiert, die von Stuckengeln getragen werden.
Chorgewölbe
1634 - ca. 1650
Georg Braun; Hans Schor; Florian Nut; Oswald Kaiser
Die 1634-37 ausgeführten Stuckarbeiten stammen von dem Wessobrunner Georg Braun, nach Entwurf von Hans Schor und Florian Nut. Von Stabmotiven gerahmte Felder, Vasen, Festons und Draperien unterstreichen die Bauglieder in der Nachfolge des strengen Felderstucks süddeutscher (Münchener) Prägung. Im Querhaus und Chor finden sich auch Ornamente in dem gerade aufkommenden Knorpelstil, entworfen um 1640/50 von Frater Oswald Kaiser.
Erste rechte Seitenkapelle
Ca. 1670
Johann Heinrich Schönfeld (1609-1684)
Die Altarbilder der dem hl. Franz Xaver geweihten Seitenkapelle verherrlichen den Heiligen als den bedeutendsten Missionar des Jesuitenordens, der wie Ignatius 1622 heilig gesprochen worden ist. Das Gemälde mit der Taufe des indischen Edelmannes wird dem berühmten, aus Biberach stammenden Maler Heinrich Schönfeld zugeschrieben, dazu an der Rückwand die Szene mit dem Krebswunders des Heiligen, durch das Franz Xaver sein Kruzifix aus dem Meer zurück erhielt. Die Darstellungen verweisen auf den Jesuitenorden als Hauptträger der missionarischen Gegenreformation.
Braun, J., Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten, Bd. 2, Freiburg i. Br. 1910, S. 11 ff. und 162 ff.
Keßler, Daniel, Der Dillinger Baumeister Hans Alberthal, Dillingen 1949, S. 99-106
Frodl-Kraft, E., Tiroler Barockkirchen, Innsbruck 1955, S. 32f.
Skalecki, G., Deutsche Architektur zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Regensburg 1989, S. 75f. und 116f.
Schnell, H., Schedler, U., Lexikon der Wessobrunner, München, Zürich 1988, S. 63.
Frank Purrmann "Jesuitenkirche Innsbruck" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2026.
https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;at;Mon11;1;de
Autor: Frank Purrmann
MWNF Arbeitsnummer: AT 01