© Josef Reiter, Stift Schlierbach  © Josef Reiter, Stift Schlierbach  © Gabriele Liechtenstein © Josef Reiter, Stift Schlierbach  © Josef Reiter, Stift Schlierbach


Name des Monuments:

Stift Schlierbach und Stiftskirche Mariae Himmelfahrt und hl Jakobus dem Älteren geweiht

Auch bekannt als:

Zisterzienserstift Schlierbach

Ort:

Schlierbach, Bezirk Kirchdorf an der Krems, Österreich

Contact DetailsStift Schlierbach und Stiftskirche Mariae Himmelfahrt und hl Jakobus dem Älteren geweiht
Stift Schlierbach,
Klosterstraße 1,
A-4553 Schlierbach
T : +437582830130
F : +43758283013176
E : info@stift-schlierbach.at
Zisterzienser von Schlierbach (römisch-katholischer Orden) (Responsible Institution)

Datierung des Objektes:

Unter Abt Nivard I Geyregger (1660-1679) wurde 1671/72 mit dem barocken Neubau des Klosters auf unregelmäßigem Grundriss begonnen, ohne axiale Ausrichtung auf die Kirche als Höhepunkt. Die Westfront des Prälatenhofs war 1674 fertiggestellt, der Nordflügel mit dem Abteiturm sowie der Ostflügel 1678. Unter dem folgenden Abt Benedikt Rieger (1679-1696) wurde an der Anlage weitergebaut, er ließ die Kirche, den Kirchturm und den Konventtrakt mit den Mönchszellen (1680-1683) errichten. Unter seinem Nachfolger Abt Nivard II Dierer (1696-1715) wurde die Anlage mit den zwei äußersten Flügeln im Norden, dem sogenannten Neugebäude, einschließlich der Sommerprälatur und dem Bernhardisaal (zwischen 1699 und 1701) vollendet. Die Bibliothek wurde 1712 angebaut

Künstler:

Architektur: Pietro Francesco Carlone (c. 1607-1680); Carlo Antonio Carlone? (c. 1635-1708); Johann Michael Prunner (1669-1739); Stuckarbeiten: Giovanni Battista Carlone (c. 1642-1721); Bartolomeo Carlone (c. 1650-1724); Fresken: gemäß eines überlieferten Vertrags Giovanni Battista Carlone (c. 1642-1721); Gemälde Hochaltar: Franz Werner Tamm (1658-1724); Seitenaltar-Gemälde (eines verbrannte in den 1960er-Jahren): Johann Michael Rottmayr (vor 1654-1730) und Johann Karl von Reslfeld (c. 1658-1735); Holzschnitzarbeiten: Johann Josef Wanscher (c. 1675-1738); Statuen Hochaltar: Johann Christoph Jobst? (Daten unbekannt).

Bezeichnung / Denkmalgattung:

Religiöse Architektur; Sakralarchitektur

Bauherr(en):

Eberhard von Wallsee V gründete 1355 an der Stelle einer früheren mittelalterlichen Burg ein Kloster für Zisterzienserinnen, das bis 1556 existierte. 1620 wurde es durch Zisterzienser-Mönche, die von Stift Rein in der Steiermark kamen, neu besiedelt.

Geschichte:

Nach 300 Jahren wechselvoller Besitzergeschichte erwarb Eberhard V von Wallsee 1353 Herrschaft und Burg Schlierbach. Nur wenige Monate später gründete er dort ein Kloster für Zisterzienserinnen mit der ersten Priorin (später Äbtissin) Elisabeth von Gundelfingen und zwölf Schwestern, denen er den Besitz übergab. Unter der 17. und 18. Äbtissin verbreitete sich rasch der Protestantismus in der Region, das Kloster verweltlichte, verfiel und wurde von den Nonnen verlassen. Während der folgenden Jahre wurde es von verschiedenen religiösen Institutionen verwaltet, bis Kaiser Ferdinand II (1578-1637) entschied, dass Zisterzienser es übernehmen sollten. 1620 begannen drei Mönche, die von Stift Rein in der Steiermark kamen, mit dem Wiederaufbau und mit der Rekatholisierung. Seit dieser Zeit verblieb die Abtei im Besitz und unter der Leitung der Zisterzienser.

Beschreibung:

Im dritten Viertel des 17. Jahrhunderts begann man an der Stelle der mittelalterlichen Burg und der Klostergebäude Bauwerke und Flügel für das neu zu errichtende Stift Schlierbach aufzuführen. Vischers Stich in der Topographia Austriae Superioris kann nur eine Idee davon geben, wie es in dieser Zeit aussah. Man hatte mit dem zeichnerischen Erfassen der Anlage vor Baubeginn aufgehört, als dort noch ältere Gebäude standen, auf der Ansicht in der Topographia aber auch geplante, noch nicht gebaute Flügel miteinbezogen.
Heute beherrscht die lange Westfront des Abteigebäudes mit dreißig Fensterachsen, drei Stockwerken und schmuckloser Fassade das Tal, schlicht in der äußeren Erscheinung, wie es den Zisterzienser-Regeln entspricht, die einen einfachen Lebensstil vorschreiben. Nur die Nordfront erhielt später eine zarte Verzierung – entweder um Gäste willkommen zu heißen, die aus dieser Richtung kamen, oder zur Freude der Mönche, die sie vom gegenüberliegenden, damals weitläufigen Park sehen konnten.
Da alle Arbeiten in der Barockära stattfanden, und die Äbte natürlich auch Kirchenfürsten waren, wurde das Innere prachtvoll ausgestattet. Die Mitglieder der bekannten Carlone-Familie mit ihren vielen Architekten, Künstlern und Kunsthandwerkern waren die bevorzugten Beschäftigten und schufen etwas, das viele Kunsthistoriker zu den bedeutendsten barocken Innenausstattungen Österreichs zählen, im speziellen, was die Dekoration der Kirche betrifft.

View Short Description

Die Abtei mir ihren prachtvollen barocken Sälen, wie dem Bernhardisaal und der Bibliothek, ist vor allem für die reich stuckierte und reich dekorierte Kirche bekannt. Man könnte das Interieur „doppelt barock“ nennen, da ein erster barocker Bauherr mit der Ausschmückung begann, die der zweite einige Jahre später vollendete und vervielfachte. Süddeutsche/österreichische Stuck-, Schnitz- und Vergolderarbeiten erreichen in diesem Gebäude einen künstlerischen Höhepunkt und sind in dieser Fülle und Ausformung unter Österreichs Barockkirchen herausragend.

Wie wurde das Monument datiert:

Anhand historischer Aufzeichnungen und Dokumente

Special features

Stiftskirche, der Himmelfahrt Mariens und dem hl Jacobus dem Älteren geweiht

Sie befindet sich beinahe in der Mitte einer Vierflügelanlage, zwischen dem Prälatenhof und dem Konventhof.

1679-1685

Giovanni Battista Carlone (Stuckfiguren, Freskos – lt. eines erhaltenen Vertrags) und Bartolomeo Carlone (Stuckpflanzen und -Ornamente); Franz Werner Tamm (Hochaltargemälde); Johann Michael Rottmayr und Johann Karl von Reslfeld (Seitenaltar-Gemälde); Johann Josef Wanscher (Schnitzarbeiten, Stuck); Johann Christoph Jobst? (Statuen Hochaltar)

Die Abtei-Kirche wurde von Abt Benedikt Rieger erbaut. Ebenfalls unter ihm erhielten die Decke und die Wände die reiche, plastische Ausgestaltung. Es gibt zahllose Stuck-Girlanden aus Blättern, Blumen und Früchten, Deckengemälde mit 3D-Stuckrahmen und zig Statuen von Putti (= männliche Kleinkinder), Engeln und Heiligen. Kein Stück Wand blieb frei. Nivard II Dierer folgte als Abt und beschied sich damit, das Interieur weiter zu verschönern. Er, der einer wohlhabenden Familie entstammte und der Schloss Versailles gesehen hatte, dekorierte enthusiastisch die Kirche in einem zweiten barocken Durchgang. Er ließ die Pilaster mit einer „zweiten Schichte“ von vergoldetem Schnitzwerk und gerahmten Blumenstillleben überziehen, und es war wahrscheinlich er, der den ursprünglich weiß gekalkten(?) Stuck farbig übermalen und (später) vergolden ließ. Das fand man vor kurzem bei Entnahmen für bevorstehende Restaurierungsarbeiten heraus: in Abt Nivards II Ära waren der Stuck und der Hintergrund der Decke zartrosa, die Skulpturen – Putti und Heilige – dunkelrosa und die Pilaster blaugrau marmoriert. Vermutlich nur ein wenig später war der Stuck an den Wänden und in den Seitenkapellen vergoldet (der Abt mag sich an Versailles erinnert haben). Die vergoldeten und versilberten Stuckteile im Bernhardisaal (s. dort) vermitteln eine Idee, wie der Stuck in der Kirche ausgesehen haben mag, als er vergoldet war.
Das Hochaltargemälde zeigt die Himmelfahrt Mariens – die Muttergottes sitzt auf einer Wolke und bewegt sich in Richtung Paradies. Sie ist von Engeln umgeben, die Rosen in ihr Grab streuen.

Bernhardisaal

Ostflügel, äußerer Hof

c. 1700

Bartolomeo Carlone (Stuck)

Der Bernhardisaal, ein typischer barocker Kaisersaal (= prachtvoll ausgestalteter Raum, wo man den Kaiser und seine Familie auf der Durchreise empfangen konnte), ist der am aufwendigsten dekorierte der Abtei. Dank einer nicht lange zurückliegenden Restaurierung erscheint der Saal in seiner ursprünglichen Pracht. Vergoldeter Stuck, die große vergoldete Wappenkartusche (von Abt Nivard II) und die versilberten Putti, die sich auf Wänden und an der Decke tummeln, sowie die farbenreichen Fresken mit allegorischen Szenen und goldenen Rahmen machen den Saal zu einem barocken Gesamtkunstwerk.
Der Raum erhält viel Licht von mehreren, jeweils übereinanderliegenden Fenstern auf beiden Längsseiten. Und es gibt Fenster mit illusionistischem Ausblick an beiden Schmalseiten. Typisch witziges barockes Detail in diesem Raum – das Portrait eines Mannes, oberhalb des Marmorkaminsimses, der mit einer Waffe in der Hand auf den Betrachter zielt.
Zwischen den Fenstern hängen Gemälde, die historische und kirchenhistorische Szenen darstellen, darüber Blumenstillleben. Die Türen haben marmorne Rahmen.

Bibliothek

Ostflügel, neben dem Kirchenturm liegend

1712

Architekt(en): Carlo Antonio Carlone (Pläne?); Johann Michael Prunner (Bauausführung?, Galerie?)

Überraschenderweise war bei Baubeginn kein Gebäudeteil als Bibliothek vorgesehen (es muss aber einen Raum für die Büchersammlung gegeben haben), vielleicht wurde sie erst später geplant oder konnte aus irgendeinem Grund nicht ausgeführt werden. Sie wurde 40 Jahre nach Baustart in zwei Stockwerken und in Form eines unregelmäßigen Kreuzes an den Ostflügel angebaut. Eine Galerie mit schmiedeeisernem Gitter und vergoldeten Blättern und Blumen ruht auf Scheinmarmor-Säulen mit korinthischen Kapitellen. Die Fensterlaibungen und Eckpfeiler haben Stuckdekoration (Pflanzen, Ornamente und Putti). Die Decke ist mit Fresken bemalt, im Kuppeldach in Form einer Scheinarchitektur. Alle Fresken zeigen Szenen, die einen inhaltlichen Zusammenhang mit Büchern haben.
Da sich der Bibliotheksflügel nahe eines Hügels befindet, gab es nach starken Regenfällen und Erdrutschungen häufig Schäden, einmal war er ganz verschüttet. Im 19. Jahrhundert sank das Gebäude und wäre 1894 beinahe zusammengebrochen. Teile der Freskomalereien fielen herunter oder wurden durch Regenwasser beschädigt. 1969-1974 wurde die Bibliothek vollständig renoviert und das Fundament unterfangen.

Literaturauswahl:

Brucher, G., Barockarchitektur in Österreich, Köln: DuMont, 1983: 55–56 und 66–68.
Engl, F., “Die Arbeiten der Brüder Carlone in der Stiftskirche zu Schlierbach”, Passauer Jahrbuch, XI (1969): 87–90.
Garzarolli-Thurnlackh, K., Die Stiftskirche von Schlierbach in Oberösterreich, Diss., Graz, 1918/19.
Keplinger, Pater L., Stift Schlierbach, Linz: Zisterzienserstift Schlierbach, 1990.
Sturm, J., Beiträge zur Architektur der Carlone in Österreich, 2 Bde, Diss, Wien, 1968/69.

Citation:

Gabriele Liechtenstein "Stift Schlierbach und Stiftskirche Mariae Himmelfahrt und hl Jakobus dem Älteren geweiht" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2022. https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;at;Mon11;36;de

Autor: Gabriele Liechtenstein

MWNF Arbeitsnummer: AT 36