
Katholische Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt
Stadtpfarrkirche Weilheim
Weilheim in Oberbayern, Oberbayern, Deutschland
1624-1631 Kirchenbau
1641-1654 frühbarocker Hochaltar
1792 bestehender Hochaltar
Architektur: Hans Krumpper (um 1570-1634);Bauausführung: Georg Braun;Bauleitung und Stuckmodel: Bartholomäus Steinle (um 1580-1628/29);Stuck: Georg („Jörg“) Schmuzer (um 1565-1645);Fresken: Johann Greither (um 1591/92-1641);Hochaltarblatt: Johann Ulrich Loth (um 1595/1600-1662)
Sakralbau (Pfarrkirche)
Herzog Wilhelm V. von Bayern (reg. 1579-1597); Kurfürstenpaar Maximilian I. (reg. 1597-1651) und Maria Anna (reg. 1635-1665) von Bayern; Georg II. Prugger, Abt der Benediktinerabtei Wessobrunn (reg. 1607-1655); Rat der kurfürstlich-bayerischen Landstadt Weilheim
1624 mußte die zu klein und baufällig gewordene gotische Pfarrkirche der bayerischen Landstadt, deren Patronat seit 1244 die nahe Benediktinerabtei Wessobrunn innehatte, abgebrochen werden. Künstlerisch wie monetär durch den abgedankten bayerischen Herzog Wilhelm V. gefördert, der seinen Hofarchitekten Hans Krumpper den Plan verfassen ließ, konnte in nur vierjähriger Bauzeit ein ambitionierter Neubau entstehen, der 1631 geweiht wurde. 10 Jahre später stiftete das Kurfürstenpaar Maximilian I. und Maria Anna den Hochaltar, der aber 1792, wie zuvor schon die übrige früh- und hochbarocke Altarausstattung, einer Erneuerung zum Opfer fiel.
Dem in Weilheim gebürtigen Hofkünstler Hans Krumpper gelang es, aus dem Wandpfeilersaal der heimischen Spätgotik mit Hilfe venezianischer Vorbilder, allen voran sinnfällig die Wallfahrtskirche S. Maria dei Miracoli, einen Barockbau zu machen. Die von besagtem Vorbild inspirierte Chorkuppel steht als Himmelssymbol ikonografisch in Verbindung mit dem Hochaltar, auf welchem zunächst eine Rosenkranzmadonna dargestellt werden sollte, einem vermauerten Chorscheitelfenster zufolge wohl in Form einer transparenten skulpturalen Inszenierung, die dann einer gemalten Himmelfahrtsdarstellung weichen musste. Die Einschnürung des Chores ist links dem Turm und rechts der Sakristei geschuldet, über der sich eine Herrschaftsempore befindet. Geometrischer, mit Holzmodeln gegossener Felderstuck überzieht locker die Gewölbe, im Chorpolygon überspannen zwei beeindruckende Stuckmuscheln die seitlichen Zwickelgewölbe. Die Deckenfresken waren seinerzeit eine Pionierleistung.
View Short DescriptionDie frühbarocke Pfarrkirche der oberbayerischen Landstadt Weilheim überrascht nicht nur mit einer ambitionierten, venezianisch beeinflussten Baugestalt, sondern auch wegen ihrer für die damalige Zeit singulären Deckenfresken. Künstlerische Höhepunkte sind eine hochbarocke Wurzel-Jesse-Monstranz eines lokalen Goldschmiedemeisters sowie ein Gemälde von der Hand des berühmten klassizistischen Malers Martin Knoller.
Durch archivalische Quellen; Inschrift “1627” in der Chorkuppel.
Gewölbe des Langhauses
1628/29
Johann Greither (um 1591/92-1641)
Das Hauptfresko thematisiert als gegenreformatorische katholische Glaubenspropaganda in Anknüpfung an die Bildwelt der Münchner Jesuitenkirche St. Michael den siegreichen Kampf des Erzengels Michael mit den abtrünnigen Engeln, welche unverhohlen den Protestantismus symbolisieren. Gekrönt von der Trinität überwacht Maria als Engelskönigin das Geschehen, um das herum marianische Symbole angeordnet sind.
Hochaltar
1641
Johann Ulrich Loth (um 1595/1600-1662)
Das Altarblatt des einst frühbarocken Hochaltars verbildlicht auf kurfürstlichen Wunsch hin dem Patrozinium gemäß die Himmelfahrt Mariens. Der Münchner Maler portraitierte sich selbst aus dem Bild blickend als Apostel Johannes. Die Komposition folgt einem Kupferstich nach dem themengleichen Hochaltarblatt des Pieter Paul Rubens in der Kathedrale zu Antwerpen.
linke mittlere Seitenkapelle
1766
Franz Xaver Schmädl
Der in eleganten Rokoko-Formen gehaltene Seitenaltar des damaligen Hauptmeisters der örtlichen Bildhauerzunft ist dem hl. Ulrich als Bistumspatron gewidmet und zeigt im Medium der Skulptur dessen Apotheose.
Altar der rechten mittleren Seitenkapelle
1790
Martin Knoller (1725-1804)
Das aus Kloster Ettal stammende ergreifende Gemälde steht dem römisch geprägten Klassizismus von Knollers akademischem Kollegen Anton Raphael Mengs (1728-1779) nahe und damit kompositorisch auch themengleichen Darstellungen des Annibale Caracci (1560-1609).
Tabernakel des Hochaltars
1698
Josef Anton Kipfinger (1673-1738)
Das Meisterstück eines ortsansässigen Goldschmieds zeigt mittels Büsten innerhalb eines sich 122 cm hoch auftürmenden Rankenwerks den aus Jesse erwachsenden Stammbaum Christi, dessen Leib als geweihte Hostie sinnfällig in dem im Schoß Mariens eingepassten Ostensorium zugegen ist.
Jahn, P.H., „Hans Krumppers Kuppelprojekt für den Freisinger Dom und die venezianischen Wurzeln der Münchner Architektur um 1600“, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 53, 2002, 175-222, hier 183-186, 198-200.
Mauthe, W./Schmid, R., Weilheim i. OB, Kath. Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt (Kleine Kunstführer 1317), 3., überarbeitete Auflage, Regensburg, 1998.
Zohner, W., Bartholomäus Steinle (um 1580-1628/29). Bildhauer und ›Director über den Kirchenbau zu Weilheim‹, Weißenhorn, 1993, 94-103, 398-407.
Harries, K., The Bavarian Rococo Church. Between Faith and Aestheticism, New Haven/London, 1983, 48-50, 96.
Bauer, H./Rupprecht, B. (eds.), Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Bd. 1: Freistaat Bayern, Regierungsbezirk Oberbayern. Die Landkreise Landsberg am Lech – Starnberg – Weilheim-Schongau, München, 1976, 553-560.
Peter Heinrich Jahn "Katholische Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2026.
https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;de;Mon12;10;de
Autor: Peter Heinrich Jahn
MWNF Arbeitsnummer: DE3 10