
Rathaus der Stadt Landsberg am Lech
Historisches Rathaus Landsberg, Landsberger Rathaus
Landsberg am Lech, Oberbayern, Deutschland
1699-1700: Umbau Rathaus
1718-1719 Aufstockung und Fassadengestaltung
Entwurf zur Fassade, Stuck im 2. Obergeschoss: Dominikus Zimmermann (1685-1766);Stuck in den Stuben des 1. Obergeschosses: Georg III. Zöpf (gest. 1706), Stephan II. Finsterwalder
Öffentliches Bauwerk (Rathaus)
Innerer Rat der Stadt Landsberg
Nachdem 1698 das mittelalterliche Rathaus der kurbayrischen Grenzstadt wegen Baufälligkeit abgerissen worden war, begann man im Folgejahr an der Westseite des Hauptplatzes, im Blickfeld des wichtigsten Stadtores, mit dem Ausbau eines Wohnhauses zum heutigen Rathaus. 1718 erhöhte man das Gebäude um ein Saalgeschoss einschließlich des Schweifgiebels. Gleichzeitig stuckierten Zimmermann und seine Werkstatt im zweiten Obergeschoss den Vorplatz und den Saal des Äußeren Rates, 1719 schließlich die Fassade. Seitdem fanden mehrere Renovierungen statt, wovon einige zu Veränderungen führten: Um 1800 wurden der Schweifgiebel vereinfacht und das Säulenportal entfernt, sodann im Zeitraum 1870-1905 die oberen Säle im historistischen Geschmack umgestaltet.
Das nur zwölf Meter breite Rathaus beherbergte im Erdgeschoss das Brothaus sowie im Keller die Amtszelle und das städtische Weinhaus. In den Obergeschossen befinden sich die Ratsstuben für die einstigen beiden Kammern des Stadtregiments, wovon die kleinere im ersten Stock vom Inneren Rat und die größere im zweiten Stock vom Äußeren Rat genutzt wurde. Das dritte Obergeschoss diente als Festsaal.
Die steil aufragende Prunkfassade ist gleichmäßig in fünf Achsen gegliedert; ihre Fenster werden geschossweise höher und entsprechen damit der Wichtigkeit der dahinter liegenden Räume. Einst akzentuierte ein Säulenportal mittig das schmucklose Erdgeschoss. Wie ein engmaschiges Gespinst überzieht eine reiche Stuckdekoration die Fassadenfläche, ein darin eingewobenes Bildprogramm soll den auf Tugenden basierenden Erfolg des Stadtregiments verkünden. Die beiden oberen Hauptgeschosse sind durch dünne, mittig nach hinten geknickte Pilaster verbunden, die durch ein partiell geschweiftes Gebälk zusammengefasst werden. S-förmig gerollte Voluten bilden die Konsolen der Pilaster und zugleich die Rahmen für Bildfelder, innerhalb derer zusätzlich die Pilaster stützende Putti mit Vasen und drei Tugendallegorien wechseln. Diese symbolisieren als Halbfiguren alttestamentarischer Heldinnen – Susanna, bedrängt von den drei Greisen, Judith mit dem Haupt des Holofernes sowie eine nicht deutbare Frau – die Sittlichkeit der Stadt, ihre Standhaftigkeit und Tapferkeit. Darauf folgen im zweiten Obergeschoss fünf hochovale Büstenreliefs antiker Helden und Feldherren als Zeichen für militärische Stärke und Klugheit. Der vollplastische figürliche Schmuck des Schweifgiebels ergänzt den Tugendkanon sinnfällig um die religiöse Bedeutungsebene: In dessen Zentrum befindet sich eine von Pilastern gerahmte Muschelnische, in welcher Personifikationen der Nächstenliebe (Caritas) und Hoffnung (Spes) den Lorbeerkranz des Sieges über das Landsberger Stadtwappen halten, auf dem wiederum sich ein für den Glauben (Fides) stehendes Kreuz befindet. Somit sind dort die drei theologischen Tugenden dargestellt. Ursprünglich stand zuoberst innerhalb des Sprenggiebels quasi als Krönung eine Figur der Gerechtigkeit (Justitia) als unabdingbare Tugend eines erfolgverheißenden Regiments.
Das Rathaus der einstigen kurbayrischen Landstadt Landsberg am Lech prunkt mit einer reich geschmückten Fassade, die als ein profanes Meisterwerk des berühmten Stuckateurs Dominikus Zimmermann gilt. Er entwickelte dafür ein Gliederungs- und Dekorationssystem, das italienische Architekturmotive mit Elementen der zeitgenössischen französischen Ornamentgraphik kombiniert und gespinstartig die Fassade überzieht. Die eingewobene Allegorik beschwört ein zu Wohlstand führendes gerechtes Stadtregiment.
Durch archivalische Quellen; Inschrift “MDCCXIX” an der Fassade.
Dietrich, D./Weißhaar-Kiem, H., Landsberg am Lech, Band 1: Die Bauten in öffentlicher Hand (Die Kunstdenkmäler von Bayern, Neue Folge 3,1), München/Berlin, 1997, 304-357.
Stadt Landsberg a. Lech (ed.), Das Landsberger Rathaus. Zur Wiedereröffnung des historischen Rathauses nach der Renovierung im Mai 1991 (Heimatgeschichtliches aus Landsberg am Lech 3), Landsberg am Lech, 1991.
Lampl, S., Dominikus Zimmermann, München, 1987, 274-279.
Bauer, H. und A., Johann Baptist und Dominikus Zimmermann. Entstehung und Vollendung des bayerischen Rokoko, Regensburg, 1985, 18, 128-129, 299.
Eva Winter "Rathaus der Stadt Landsberg am Lech" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2026.
https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;de;Mon12;30;de
Autor: Eva Winter
MWNF Arbeitsnummer: DE3 30