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Name des Monuments:

Kath. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, ehem. Augustinerchorherren-Stiftskirche

Auch bekannt als:

Klosterkirche Diessen

Ort:

Dießen am Ammersee, Oberbayern, Deutschland

Contact DetailsKath. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, ehem. Augustinerchorherren-Stiftskirche
Klosterhof 10a, 86911 Dießen
T : (08807) 948940
F : (08807) 9489420
E : pfarramt-diessen@bistum-augsburg.de
Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt Dießen (Bistum Augsburg) (Responsible Institution)

Datierung des Objektes:

1720-1728 Rohbau
1732-1739 Fertigstellung und Ausstattung

Künstler:

Architektur: Johann Michael Fischer (1691-1766);
Stuck: Johann Michael (1709-1772) und Franz Xaver d.Ä. (1698-1763/64) Feichtmayr; Johann Georg Üblher (1703-1763);
Fresken: Johann Georg Bergmüller (1688-1762);
Entwurf zum Hochaltar: Egid Quirin Asam (1692-1750); François de Cuvilliés d.Ä. (1695-1786);
Skulpturen des Hochaltars: Joachim Dietrich (1690-1735);
Seitenaltäre: Ehrgott Bernhard Bendl (um 1660-1738); Ägid Verhelst (1696-1749); Johann Baptist Straub (1704-1784);
Altarblätter (Auswahl): Balthasar Augustin Albrecht (1687-1765), Giovanni Battista Pittoni (1687-1767); Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770), Johann Evangelist Holzer (1709-1740);

Bezeichnung / Denkmalgattung:

Sakralbau (Klosterkirche)

Bauherr(en):

Pröpste Ivo Bader (reg. 1719-1728) und Herculan Karg (reg. 1728-1755)

Geschichte:

Die barocke Erneuerung des legendär um 815 durch den Einsiedler Rathard gegründeten Klosters begann 1681-1688 mit der Errichtung einer heute größtenteils zerstörten Klosteranlage. Erst 1720 konnte ein neuer Kirchenbau ins Werk gesetzt werden, doch missfiel die konservative Planung eines Vorarlberger Baumeisters dem 1728 gewählten, hoch gebildeten und kunstsinnigen Propst Herculan Karg, weshalb dieser den Münchner Architekten Johann Michael Fischer verpflichtete, den bereits bis zum Kranzgesims hochgezogenen Rohbau zu vollenden. Ab 1732 wurden Emporen wieder abgetragen, Chorbereich und Gewölbe neu konzipiert, desgleichen außen Fassade und Turm. 1739 konnte die fertig ausgestattete Stiftskirche geweiht werden.

Beschreibung:

Baukünstlerische Meisterleistungen verleihen der traditionellen Wandpfeilerkirche ihren herausragenden Charakter: Außen die wegen schlanker Proportionen und sanfter Kurvungen wohl eleganteste Schaufassade Bayerns, innen eine durch vorgebogene Gurtbögen aufgelockerte Gewölbezone sowie im Chor ein symbolkräftiges Geviert aus Säulenarkaden, das in einer Pendentifkuppel gipfelt. Nur sparsam akzentuiert reifster Régence-Stuck Wände und Gewölbe, wobei letzteres großflächige Fresken trägt. Die Geschlossenheit der von unterschiedlichen Künstlern geschaffenen Altarausstattung wird durch die ausgeklügelte Ponderation der Seitenaltäre erzielt, indem deren Retabel zum Hochaltar hin immer stärker an Größe und architektonischem Gehalt zunehmen.

View Short Description

Die Dießener Stiftskirche zählt nicht nur zu den Hauptwerken des Münchner Architekten Johann Michael Fischer, sondern besticht zudem im Inneren durch die exquisite Ausstattung der von Propst Herculan Karg zahlreich hinzugezogenen namhaften regionalen und internationalen Künstler wie Johann Baptist Straub und Giovanni Battista Tiepolo, wodurch der bayerische Sakralbarock zu einem glanzvollen Höhepunkt geführt wurde. Besonders hervorzuheben ist die prospekthafte Raumwirkung, deren Szenographie in der Wandelbühne des mächtigen Hochaltars ihr Ziel findet.

Wie wurde das Monument datiert:

Archivalische Dokumente und chronikale Nachrichten; Inschrift im Deckenfresko

Special features

Wiederbegründung der Dießener Klöster durch die Grafen von Andechs

Langhausgewölbe

1736

Johann Georg Bergmüller (1688-1762)

Unüblicherweise beherrscht nicht der Ordensgründer Augustinus, sondern die Dießener Klosterhistorie das Freskenprogramm, um das bayerische Herrscherhaus als Rechtsnachfolger der im Mittelalter ausgestorbenen Stifterfamilie an seine Fürsorgepflicht zu gemahnen. So erinnert das Hauptfresko an die Neugründung des einstigen Doppelklosters durch den Andechser Grafen Berthold II.: Unter himmlischer Anteilnahme die päpstliche Bestätigung des Männerstifts St. Maria 1132 vor dem Hintergrund des römischen Lateran sowie der Eintritt der noch kindlichen Grafentochter Mechtildis in das nur kurzlebige Frauenstift St. Stephanus 1139 vor fiktiver Kirchenkulisse und in typologischer Anlehnung an den Tempelgang Mariens.

Dießener Heiligenhimmel

Chorkuppel

1736

Johann Georg Bergmüller (1688-1762)

Im Kuppelfresko gruppieren sich die unzähligen Heiligen und Seligen aus den verschiedenen Zweigen der gräflichen Stifterfamilie Dießen-Andechs um Christus und sind zugleich Exempla für die an den Pendentifs dargestellten Kardinaltugenden. Bilderzählerisch wie perspektivisch kalkuliert fallen beim Betreten der Kirche zuerst die ältesten und lokal verehrten Familienmitglieder ins Auge: Rasso, Rathard und Mechtildis.

Mariae-Himmelfahrts-Altar (Hochaltar)

Chorapsis

1738

Vorentwurf zu Altararchitektur und Skulpturen: Egid Quirin Asam (1692-1750); Ausführungsentwurf zur Altararchitektur: François de Cuvilliés (1695-1786); Skulpturen: Johann Joachim Dietrich (1690-1735); Altarblatt: Balthasar Augustin Albrecht (1687-1765)

Der pompöse, 14 x 20 Meter messende Hochaltar zeigt mittels Malerei und Skulptur die Himmelfahrt Mariens. Das Altarblatt ist versenkbar und gibt dann auswechselbare Kulissenszenerien preis, mit deren Hilfe noch heute an den Hochfesten theaterhaft die Heilsgeschichte dargestellt wird. Beidseitig flankieren den Hochaltar vier überlebensgroße Figuren der Kirchenväter – ihres gemessenen Pathos wegen Hauptwerke der bayerischen Barockskulptur.

Seitenaltäre St. Stephanus und St. Sebastian

Drittes Kapellenpaar ab dem Chor, davon der Stephanusaltar links und der Sebastiansaltar rechts

1736-1738 Altäre
1738/39 Altarblätter

Altararchitektur und Skuplturen: Johann Baptist Straub (1704-1784); Altarblätter: Giovanni Battista Pittoni (1687-1767); Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770)

Die Gemälde der beiden mittleren Seitenaltäre repräsentieren als Importe venezianischer Malerei den weltläufigen Geschmack des Propstes Herculan Karg. Pittoni malte den Erzmärtyrer Stephanus, den Pestpatron Sebastian dessen noch berühmterer Kollege Tiepolo. Durch bewußten Verzicht auf eine Retabelarchitektur erscheinen die kostbaren Altarblätter dem Betrachter gleichwohl wie Galeriebilder, die zudem von Putti durch das Beiseiteziehen einer Draperie enthüllt werden. Die Skulpturen sind Teil eines über alle Seitenaltäre verteilten Apostelzyklus.

Literaturauswahl:

Schnell, W., Ehemalige Augustiner-Chorherrenstiftskirche Mariä Himmelfahrt zu Dießen, seit 1804 Pfarrkirche (Peda-Kunstführer 531), Passau, 2001.
Dietrich, D., Aegid Verhelst 1696–1749. Ein flämischer Bildhauer in Süddeutschland, Weißenhorn, 1986, 48-68, 222-232.
Dietrich, D., Ehem. Augustiner-Chorherren-Stift Diessen am Ammersee (Grosser Kunstführer 128), 2. verbesserte und erweiterte Auflage, München/Zürich 1982.
Bauer, H./Rupprecht, B. (eds.), Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Bd. 1: Freistaat Bayern, Regierungsbezirk Oberbayern. Die Landkreise Landsberg am Lech – Starnberg – Weilheim-Schongau, München 1976, 38-47.
Hitchcock, H.-R., Rococo Architecture in Southern Germany, London/New York, 1968, 180-183, 188-192.

Citation:

Peter Heinrich Jahn, Hanna Böhm "Kath. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, ehem. Augustinerchorherren-Stiftskirche" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2026.
https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;de;Mon12;9;de

Autor: Peter Heinrich Jahn, Hanna Böhm

MWNF Arbeitsnummer: DE3 09

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