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Name des Monuments:

Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura
Pfarr- und Wallfahrtskirche Stadl-Paura
Paura-Kirche

Auch bekannt als:

Wallfahrtskirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Ort:

Stadl-Paura, Bezirk Wels-Land, Oberösterreich, Österreich

Contact DetailsDreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura
Pfarr- und Wallfahrtskirche Stadl-Paura
Paura-Kirche
Johann Michael Prunner-Straße 7,
A-4651 Stadl-Paura
T : 07245217101116
F : 072453239624
E : pfarre.stadl-paura@dioezese-linz.at
Benediktiner von Stift Lambach (Responsible Institution)

Datierung des Objektes:

1714-1724 Bau
1719-1723 Kuppel- und Wandfresken
1720-1724 Gemälde Hl Geist-Altar
1721-1722 Gemälde Gottvater-Altar
1722-1723 Gemälde Gottsohn-Altar
1723-1724 Gottvater-Altar
1738 Aufstellen der (früher fertiggestellten) Gottsohn- und Hl Geist-Altäre

Künstler:

Architektur: Johann Michael Prunner (1669-1739); Innenausstattung, Kuppel- und Wandfresken (Schein-Architektur): Francesco Messenta (um 1675-1745); Kuppel- und Wandfresken (Figuren): Carlo Carlone (1686-1775); Altargemälde: Martino Altomonte (1657-1745), Carlo Carlone (1686-1775) und Domenico Parodi (1672-1742); Altarstatuen: Joseph Matthias Götz (1696-1760)

Bezeichnung / Denkmalgattung:

Religiöse Architektur

Bauherr(en):

Der Benediktiner-Abt Maximilian Pagl von Stift Lambach erbaute – sich auf einen Schwur zurückbeziehend – die Kirche, um Gott zu danken, dass während der Pestepidemie in der Region keine Opfer zu beklagen waren.

Geschichte:

Die barocke Pilgerkirche von Stadl-Paura erhebt sich auf einem Hügel nahe des rechten Traunufers. Eine frühere Kapelle, die dem Hl Blasius geweiht war, stand an derselben Stelle und wurde schon im frühen Mittelalter erwähnt.
Der Ort am Fluss erlangte im 13. Jahrhundert Bedeutung für den Salzhandel und für das Transportgeschäft auf dem Fluss. Handel, Transport und die Tatsache, dass die nahegelegene Gemeinde Lambach ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war, brachten der Region großen Wohlstand. Etliche Gebäude wurden im 17. und 18. Jahrhundert errichtet und bestehen bis heute, so wie das Architekturjuwel der Hl Dreieinigkeitskirche.

Beschreibung:

Von dem Moment an, als Maximilian Pagl Abt war, wünschte er nichts sehnlicher, als der Hl Dreieinigkeit eine Kirche zu errichten. Allerdings konnte er erst neun Jahre später – im Zusammenhang mit dem Schwur – mit der Verwirklichung beginnen. Ab dann trieb er den Bau mit aller Kraft voran.
Der Abt bat den Architekten Johann Michael Prunner, die Arbeiten so rasch wie möglich durchzuführen, um seinen Schwur bald einlösen zu können. Nach nur drei Jahren war der Rohbau fertig, und die Künstler begannen, Kuppel und Wände zu freskieren.
Nach zehn Jahren Bauzeit konnte Abt Maximilian Pagl den Gottvater-Altar weihen und den ersten Gottesdienst abhalten. Leider wurde er bald schwer krank und starb, bevor die Arbeiten abgeschlossen waren. Unter seinen Nachfolgern wurde die Kirche fertiggestellt. Gemäß der Pläne und den Ideen ihres Gründers wurde sie nicht nur eine Huldigung an die Heilige Dreieinigkeit, sondern auch ein ästhetisches Gesamtkunstwerk.

View Short Description

Der Gründer Abt Maximilian Pagl, der das theologische Programm der Kirche ausarbeitete, wählte die Heilige Dreieinigkeit zum Leitmotiv. Jedes Detail in und an dem Bauwerk bezieht sich auf diese Idee. Der äußere Grundriss ist ein gleichseitiges Dreieck (um nach außen Gottvater, Gottsohn und den Hl Geist zu symbolisieren), während ein Kreis den inneren Grundriss bildet, der für die EINE Gottheit steht. Die Kirche verfügt über drei gleich gestaltete Türme, drei gleiche Portale, drei gleiche Fassaden und Altäre, die sich gegenüber der drei Eingangstore und der drei Orgeln (im Obergeschoß) befinden. Gemäß dem Wunsch Abt Maximilian Pagls sollte die gesamte Architektur die Heilige Dreieinigkeit preisen.

Wie wurde das Monument datiert:

Historische Dokumente

Special features

Architektur

Auf einem Hügel in Stadl-Paura nahe des Traun-Flusses

1714 – 1724

Johann Michael Prunner, Francesco Messenta

Die Dreieinigkeitskirche gilt als Johann Michael Prunners Meisterwerk. Sie ist sowohl in architektonischem als auch in theologischem Sinn eine Schöpfung von höchster Perfektion. Besonders hervorzuheben ist, dass sie als symbolisches Bauwerk mit vielen Anspielungen an die Heilige Dreieinigkeit geplant und errichtet wurde.
Als Gebäude typisch dem süddeutschen Raum zuzuordnen, sticht es wegen des symbolischen Programms und wegen des italienischen Einflusses unter den süddeutschen Barockkirchen hervor. Francesco Borromini war damals vielen Architekten, wie Johann Michael Prunner, ein künstlerisches Vorbild. Sein Werk war sehr populär und gehörte zum Allgemeinwissen jedes Baumeisters.
Borrominesk sind zB die vor- und rückschwingenden äußeren Wände und Türme, der Grundriss des Innenraums mit den halbkreisförmigen Altarnischen (in den Türmen), die damit auf den kreisförmigen Zentralraum reagieren. Und das indirekte Licht, das von oben und von den Seiten hereinströmt und die Altargemälde und das kleine Fresko in der Laterne beleuchtet.
Die Mauerdurchbrüche hinter den Altären, die Verwendung von indirektem Licht und die Kirchenausstattung gehen auf Francesco Messenta in seiner Funktion als Innenraumgestalter zurück (er war aber auch als Architekturmaler tätig, s. unten bei: Kuppel- und Wandfresken). Wie der Architekt hat er sich damit symbolisch vor Borromini verbeugt.

Kuppel- und Wandfresken

In der Kuppel, in der Laterne und an den Wänden hinter den Altären

1719/20 Fresken in der Kuppel und in der Laterne, 1722/23 Wandfresken

Carlo Carlone, Francesco Messenta

Die Freskomalereien in der Kuppel und an den Wänden stammen von Carlo Carlone (Figuren) und Francesco Messenta (Scheinarchitektur), die damit eine phantastische Szenerie im Paradies schufen.
Wenn man hinauf durch die illusionistische Balustrade in Richtung Himmel schaut, vermeint man, im Hof eines barocken Pavillons zu stehen und einem himmlischen Spektakel zuzusehen. Unzählige Selige und Engel verehren die Heilige Dreieinigkeit, während ein Schwarm von kindlichen Engeln in der Mitte und ganz oben in der Laterne die Taube mit ihrem Heiligenschein (den Heiligen Geist) bestaunen.
Mächtige illusionistische Säulen an den Wänden rahmen die Altäre. Sie sind von ausgelassen verlaufendem Gebälk und Giebelteilen bekrönt, die damit auf die Halbkreise der Altarnischen anspielen. Darüber befinden sich Kuppeln mit Scheinarchitektur und Balustraden, durch die man kleine Engel im Himmel spielen sehen kann.

Statuen

Auf den Altären

1737 und später

Joseph Matthias Götz

Die kleinen Statuen auf den Altären (Größe ca 60 cm) von Joseph Matthias Götz stellen in ihrer Art eigenständige barocke Kunstwerke dar. Auf jedem Altar befinden sich etliche dieser fein ziselierten Figuren aus Alabaster.
Die Statuen auf dem ornamentartigen Untergrund links und rechts der Tabernakel geben den Schwung der Epoche wieder. Es sieht aus, als ob ein barocker Sturm durch ihre Kleider wehen würde. Auch die kleineren Statuen auf den Tabernakeln (Größe ca 40 cm) sind von hoher künstlerischer Qualität und führen starke Bewegungen aus.
Die (größeren) Figuren an den Seiten der Altäre stellen allegorische Szenen dar, während die kleineren auf und um die Tabernakel die Kirchenväter, Propheten, Evangelisten, Heilige und Engel wiedergeben, so wie auch Christus und die Schutzengel, die mit Eifer das Böse bekämpfen.

Literaturauswahl:

Fuchshuber, P.Paulus, Die Paurakirche. Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, Passau: Kunstverlag Peda, 2008.
Grimschitz, Bruno, Johann Michael Prunner, Vienna-Munich: Herold, 1960.
Heisig, Alexander, Joseph Matthias Götz, (1696-1760), Regensburg: Schnell & Steiner, 2004.
Jahn, Peter Heinrich, Johann Lucas von Hildebrandt (1668 – 1745). Sakralarchitektur für Kaiserhaus und Adel, Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2011: 87–88.
Luger, Walter, Die Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura bei Lambach, Oberösterreich, Linz: Oberösterreichischer Landesverlag, 1956.

Citation:

Gabriele Liechtenstein "Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura
Pfarr- und Wallfahrtskirche Stadl-Paura
Paura-Kirche" in "Discover Baroque Art", Museum With No Frontiers, 2022. https://baroqueart.museumwnf.org/database_item.php?id=monument;BAR;at;Mon11;38;de

Autor: Gabriele Liechtenstein

MWNF Arbeitsnummer: AT 38